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Kabarnet

1985 erging der „Kölner Aufruf an die europäischen Städte und Gemeinden“, eine Partnerstadt in Afrika zu suchen. Die ersten Kontakte schuf der Hürther Beigeordnete Michael Mende. Zum Jahreswechsel 1987/88 reisten dann Siegfried Greiner und der damalige Hürther Stadtdirektor Dr. Georg Rogge mit ihren Ehefrauen zu einem Kenia Urlaub und besuchten einige Tage Kabarnet. Noch ein wenig erstaunt reagierten die Kabarneter Ratsherren auf die freundschaftlichen Angebote aus dem „fernen Abendland“.

Kabarnet wurde nun Siegfried Greiners Herzensangelegenheit. Mit Unterstützung von Dr. Rogge und dem damaligen Bürgermeister Hürths, Rudi Tonn, sorgte er dafür, dass Stadtdirektor Argut und Vizebürgermeister Cheptoo zu einem mehrwöchigen Aufenthalt nach Hürth kamen, wo sie Schulen, Betriebe, landwirtschaftliche Unternehmen und vieles mehr eingehend studierten.

kabamende1 (24)Die Städtepartnerschaftsurkunde wurde am 28.06.1988 im Sitzungssaal des damaligen Kreishauses in Hürth unterschrieben. Siegfried Greiner hat diese Aufgabe nicht mehr losgelassen. Er versorgte Kabarnet mit Hilfe der Stadt und vielen Spendern mit einem Wassertankwagen, mit einem vollständig eingerichteten Gesundheitszentrum, mit einem Schlachthof und die Kabarneter Schulen mit unzähligen Schulbänken.

Für mehr als 300.000 DM wurden Medikamente nach Kabarnet gesandt sowie auch zwei große Container mit allem, was man in Kabarnet gebrauchen konnte:
 

Die In den folgenden Jahren haben über 200 Hürther BürgerInnen sich auf den langen Weg ins Bergland Kenias, nach Kabarnet, gemacht und einen tiefen Einblick in die Lebensweise der Bürger unserer so fremden und außergewöhnlichen Partnerstadt erlebt. Im August 2000 besuchten 15 Mitglieder des Kabarneter Rates Hürth und informierten sich über die Einrichtungen unseres Kommunalwesens.

Im Oktober 2002 kam Bürgermeister John Kiprono Chepkwony, von Kabarnet nach Hürth, um am Grab von Siegfried Greiner persönlich Abschied zu nehmen. Bei der Mitgliederversammlung am 23. Oktober berichtete er ausführlich über seine Heimatstadt und ihre Probleme.

Wasserknappheit ist eine ständige Sorge und verursacht immer währende Arbeit. Die Bodenerosion nimmt in den letzten Jahren zu. Infolge des trockenen Klimas in dieser Zone Afrikas ist der Hunger in jedem Sommer ein großes Problem, weil die Pflanzen vertrocknen und die Ernte teilweise ausfällt.

AIDS ist in Kabarnet ein großes Problem und wird nach langem Zögern inzwischen nachdrücklich angegangen. Das Gemeinwesen in Kenia basiert im wesentlichen auf dem Zusammenhalt der Familien, der Clans. Wenn die Kinder erwachsen werden und arbeiten, sind sie die „Altersversorgung“ für ihre Eltern. Sterben die jungen, arbeitsfähige Menschen, ist dies aus sozialer wie auch aus wirtschaftlicher Sicht eine Katastrophe für die Familie. Sowohl für die Kinder wie auch für die Alten ist dann oft niemand da, der sie versorgen kann.

Die Partnerschaft mit Kabarnet hat schon wegen der großen Entfernung, aber auch IMG_1195aufgrund der spezifischen Lebensumstände eine besondere Qualität. Besonders erfolgreich ist die Zusammenarbeit zwischen den Schulen Hürths und Kabarnets. Im Herbst 2003 haben die Schülerinnen und Schüler der Hauptschule Kendenich als „Marathonkinder“ in einem Sponsorenlauf 8.526,51 € erlaufen.

Den gesamten Betrag stellten sie für Schulprojekte in Kabarnet zur Verfügung. Auch die Carl-Orff-Schule in Alstädten-Burbach und die Hauptschule Sudetenstrasse spendeten an Schulen und erhielten umgehend Dankesbriefe von Kindern aus Kenia. Ein mehr als großartiges Ergebnis in Höhe von fast 13.000 € wurde bei der Bolympiade der Bodelschwingh-Schule erlaufen. Dieser Betrag wurde verschiedenen Kabarneter Grundschulen bei unserem letzten Besuch im Januar 2006 überbracht. Die Friedrich-Ebert-Realschule oder das Berufskolleg stehen im regen Austausch mit Kabarnet.

Im April 2006 haben uns drei Lehrer/Innen aus Kabarnet für zwei Monate besucht und an Deutschkursen teilgenommen. Das Albert-Schweitzer-Gymnasium hat durch einen Spendenlauf 2007, der Kabarnet Academy 5000 € gespendet für das jetzt unter anderem Strom und Wasser verlegt wird. In 2007 und in 2008 konnten uns weitere Deutschlehrer  besuchen und uns berichten.

Museum von KarbanetGeschichte der Stadt

Die Geschichte der Stadtverwaltung reicht zurück bis zum Jahre 1907, in dem die typische ostafrikanische Streusiedlung vom Kolonialgouverneur des Protektorates Ostafrika zum Verwaltungszentrum für den Baringo-Distrikt bestimmt wurde. Zunächst hieß der Ort Barnet, benannt nach einem gleichnamigen Missionar.

Gleichwohl kann man die Vergangenheit Kabarnets leicht mit der Wiege der gesamten Menschheit verknüpfen; denn in seiner Nähe, am Baringo-See, fand man das erste Fossil des aufrecht gehenden Menschen mit seinen Werkzeugen. Diese Funde können auf etwa 750 000 Jahre zurückdatiert werden. Später fand das Ehepaar Leaky (Direktor des Nationalmauseleums Nairobi) den ca. 1,5 Millionen Jahre alten Schädel des scherzhaft genannten „Nußknackermenschen“ in Ostafrika (Olduvai-Schlucht). Neueste Funde gut erhaltener menschlicher Skelette weisen ein Alter von ca. 6 Millionen Jahren aus. Somit wird dieses Gebiet zurecht als die Wiege der Menschheit angesehen.

Das britische Ostafrika wurde ab 1920 Kenia genannt. Es entstanden vier Provinzen sowie drei Sonderprovinz-Distrikte. Erst 1952 führte man die kommunale Selbstverwaltung nach dem Vorbild der englischen County Councils ein. Am 12. Dezember 1964 wurde Kenia nach den Mau-Mau-Aufständen zu einer unabhängigen Republik erklärt. Bis dahin gehörte Kabarnet zu der sogenannten „Enclosed Area“, einem Bereich, der nur mit Genehmigung der Behörden betreten oder verlassen werden durfte. Dies wirkte sich naturgemäß auf die Entwicklung des Baringo-Districts und insbesondere seines Verwaltungszentrums Kabarnet nachträglich aus. Nach Erlangen der Unabhängigkeit trugen Stabilität und zunehmende Alphabetisierung zum Wachstum und Aufblühen der Ansiedlung bei, die 1976 den Status einer Gemeinde (Urban Council) erhielt, der 1984 die Stadtrechte verliehen wurde und die 1992 schließlich zur 21. kreisfreien Stadt (Municipality) in Kenia erhoben wurde. Erst 1993 erhielt sie das Recht, ein Stadtwappen zu führen.

Baringo District

Kabarnet ist der Verwaltungssitz des dünn besiedelten Baringo District. Der Name stammt von dem See, der sich an die Ostwand des Ostafrikanischen Grabens anschmiegt. In seiner Entwicklung liegt er deutlich hinter den südlicher gelegenen Landesteilen zurück, und er zählt zu den rein ländlichen Lebensräumen (95%) Kenias. Einerseits fruchtbares Hochland (2000 m), anderseits halbtrockene Landschaft, aber mit einem attraktiven Landschaftsbild ausgezeichnet, macht gerade er deutlich, weshalb Kenia den Safari-Tourismus so sehr anzieht. Der 70 km von Kabarnet gelegene Nationalpark Bogoria-See mit seiner Vogelwelt und als Brutstätte der kleinen rosa Flamingos vermittelt einen der schönsten Anblicke in ganz Afrika. Auch die Aus-sicht von den Tugen-Bergen auf das Kerio-Tal überrascht in ihrer Zauberhaftigkeit.

Bevölkerung

Die Urbevölkerung des Baringo Districts setzt sich aus Tugen, Pokot und Njemps zusammen. Doch in Kabarnet sind fast alle kenianischen Stämme vertreten. Auf dem Lande leben viele Kenianer in einfachen Hütten aus Zweigen und Lehm mit Kegeldach, das mit Gras oder Schilf abgedeckt ist. Abseits der Durchgangsstraßen trifft man in Kabarnet zahlreiche solcher Hütten.

Stadtgebiet

92 km², ca. 10.200 Einwohner (Stand 1.1.2006)
Hotels: Kabarnet – Hotel, Sikoro – Hotel und mittlerweile zwei weitere kleine Hotels.

Flagge

Die offizielle Hissung war am 12. Dezember 1964 (s. Geschichte). Im Zentrum ist das traditionelle Massai- Schild mit gekreuzten Speeren als Symbol des wehrhaften Freiheitswillen zu erkennen. Die Farbe schwarz auf der Flagge steht für den Freiheitswillen, rot für das verflossene Blut, grün für die Felder und wälder und weiß für den Frieden und die Einheit. Den Menschen in Kenia bedeutet diese Fahne außerordentlich viel.

Wirtschaft

Leicht- und Heimindustrie, Getreidemühlen, Handwerkskooperationen, Sägewerk, Energiewerk für Baumwolle, Honigraffinerie, zentrales Schlachthaus für den Gesamtdistrict Baringo.

 

kabakituro

Schulen

7 Vorschul Kindergärten, 24 Grund- und Hauptschulen (Primary Schools), Sonderschule für Blinde und Taube, die von der deutschen Christoffel- Gesellschaft unterhalten wird, eine Schule für Körperbehinderte, drei Oberschulen (High Schools) an denen Deutsch unterrichtet wird, sowie zwei Berufsschulen (Polytechnics).

 

Verwaltung / Rat
Stadtdirektor (Town-Clerk): Samwel K. Sitienei (Amtszeit 5 Jahre)

Bürgermeister (Mayor): Julius Kiprop
sowie Vizebürgermeister z.Zt. vakant und ein Stadtrat mit sieben Mitgliedern (Coucilllors), die jeweils einen Stadtbezirk repräsentieren

Ansprechpartner in Hürth
Dr. Manfred Faust

Tel.: 02233 – 53362
E-Mail: partnerstaedte@huerth.de

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